Erziehungsstile früher und heute

Die gesellschaftlichen und familiären Werte wandeln sich im Laufe der Zeit, und damit ändern sich auch die Idealvorstellungen bezüglich der Erziehung der Kinder. So hat man in den Zeiten, in denen Pflicht, Gehorsam und nahtlose Anpassung an herrschende Strukturen hoch geschätzt wurden, seine Kinder auch in diesem Sinne erzogen. Die Erziehung war sehr streng, duldete keinen Widerspruch und arbeitete auch mit harten Strafen, wenn die Kinder den Gehorsam verweigerten. Es ging nicht darum, individuelle Talente zu fördern, sondern man wollte den aktuellen Bildungsstandard vermitteln und aus den Kindern sozial angepasste Erwachsene mit guten Manieren machen.
Das Pendel schlug dann heftig zur entgegengesetzten Seite aus und mündete in den antiautoritären Erziehungsstil. Die Kinder hatten große Freiräume, es wurden wenige oder gar keine Grenzen gesetzt, und die völlig freie und unbeeinflusste Entfaltung war das angestrebte Ziel. Allerdings war es für die Kinder sehr schwer, ohne jegliche Orientierung und Grenzen aufzuwachsen, da sie keinerlei Erfahrung im konstruktiven Miteinander und der angemessenen Sozialanpassung sammeln konnten.

Mittlerweile ist auch dieser Erziehungsstil nicht mehr der bevorzugte, sondern aktuell wird ein Stil favorisiert, der die Kinder mit viel Liebe begleitet, aber dennoch notwendige Grenzen aufzeigt. Dabei werden die Kinder stark einbezogen und sollen verstehen können, warum welche Regeln oder Vorschriften gesetzt werden und warum es wichtig ist, sich daran zu halten. Ebenso werden dann etwaige Regelverstöße nicht sofort mit drastischen Strafen geahndet, sondern die Einsicht des Kindes in seine situativ unpassende Verhaltensweise ist das erklärte Ziel. Die Erziehung und die Bildung sollen dabei eher die natürlichen Talente des Kindes fördern, als dass einfach nur Wissen eingetrichtert wird.